Informationen zum Klärwerk

„Die Gemeinden haben das auf ihrem Gebiet anfallende Abwasser zu beseitigen und die dazu notwendigen Anlagen (Abwasseranlagen) zu betreiben oder durch Dritte betreiben zu lassen.“ (Brandenburgisches Wassergesetz (BbgWG) § 66)

Sie können sich zu Zweckverbänden zusammenschließen. Die Beschlüsse der Gemeinden (Städte) sind bei der unteren Wasserbehörde des Landkreises genehmigungspflichtig.

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) besteht aus drei Städten und 13 Gemeinden, welche jeweils durch ihre Bürgermeister*innen bzw. Amtsdirektor*innen vertreten sind. Grünheide ist durch Arne Christiani vertreten. Der WSE wählt den Standort des Klärwerkes aus und die untere Wasserbehörde entscheidet über die Genehmigung und kann Auflagen erteilen.

Auffällig ist, dass der WSE zwar 166.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt, für die Behandlung der Abwässer auf seinem Verbandsgebiet nur zwei kleine Anlagen mit zusammen 4.900 EW betreibt. Der Rest wird überwiegend in Münchehofe, aber auch in Waßmannsdorf, Werneuchen, Altfriedland und Fürstenwalde behandelt. Daraus ergibt sich durchaus eine Notwendigkeit, auf dem eigenen Verbandsgebiet eine zusätzliche Kläranlage zu errichten.

Die Einteilung von Kläranlagen geschieht nach spezifischen
kapazitätsbeschreibenden Kenngrößen. I.d.R. erfolgt die Einteilung in
Größenklassen anhand des Einwohnerwerts (EW).
Die übliche Einteilung erfolgt nachfolgender Tabelle:
  Größenklasse Kapazität in Einwohnerwert
1 < 1.000
2 1.000 – 5.000
3 5.001 – 10.000
4 10.001 – 100.000
5 > 100.000

Eine UVP-Pflicht besteht nur für Anlagen der Größenklasse 5.

Im Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG)
Anlage 1 Liste „UVP-pflichtige Vorhaben“ ist dies wie folgt definiert:

Errichtung und Betrieb einer Abwasserbehandlungsanlage, die ausgelegt ist für 13.1.1

„organisch belastetes Abwasser von 9 000 kg/d oder mehr biochemischen Sauerstoffbedarfs in fünf Tagen (roh) oder anorganisch belastetes Abwasser von 4 500 m3 oder mehr Abwasser in zwei Stunden (ausgenommen Kühlwasser)“

Die hier geplante Anlage fällt in die Größenklasse 4. Bei Einwohnerwert 100.000 errechnet sich eine tägliche Menge von organisch belastetem Abwasser von 6 000 kg.

(Erläuterungen zum Einwohnerwert unter:

http://wasser-wissen.de/abwasserlexikon/e/einwohnerwert.htm)

Basierend auf der Größenklasse gibt es nur eine „allgemeine Vorprüfung des Einzelfalls“.

Im Bundesland Brandenburg existieren nur zwei industrielle Klärwerke. Beide behandeln Abwasser von Papierfabriken. Eines steht in Eisenhüttenstadt. Das andere in Spremberg. Auf der Seite des MLUK wurde vom „Spremberger Modell“ geschrieben. Auf Google Maps gut zu erkennen, befindet sich diese Anlage nur ca. 100 Meter von der Spree entfernt am Rande des Ortes. Im Internet findet man kaum Informationen darüber. Wegen möglicher Geruchsbelästigung ist folgende Reportage über eine Laufveranstaltung aus der Lausitzer Rundschau aufschlussreich:

„Mit einer kleinen Hassliebe verbindet sie der Spremberger Klärwerk-Berg. …. Dass es am Klärwerk oft deftig riecht, sei nicht schlimm. Das genau mache ja schneller.“

(Quelle: https://www.lr-online.de/lausitz/spremberg/spremberg-von-der-liebe-zum-klaerwerk-berg-37877634.html)

Neben möglichem Geruch ist der Klärschlamm ein kritisches Thema. Traditionell wurde dieser überwiegend in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. Ein geringer Anteil wird für Landschaftsbau, Kompostierung und sonstige stoffliche Verwertung verwendet. Das ist politisch nicht mehr gewollt und wird deutlich zurückgefahren. 2017 wurde außerdem die Klärschlammverordnung novelliert. Demnach dürfen große Kläranlagen, die das Abwasser von mehr als 100.000 bzw. 50.000 Einwohnern behandeln, Klärschlamm nur noch bis 2029 bzw. 2032 bodenbezogen verwerten, also zum Beispiel als Dünger. (Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klaerschlammentsorgung-in-deutschland)

An Bedeutung gewinnt die „Thermische Entsorgung“. Das ist die schöne Umschreibung von Verbrennung. Es wird heute oft praktiziert, den getrockneten Klärschlamm in Kohlekraftwerken mit zu verbrennen (Mitverbrennungsanlagen). Dabei soll weniger CO2 ausgestoßen werden als bei der Verbrennung von Kohle. Nach aktueller Lage werden in Deutschland alle Kohlekraftwerke bis 2030 abgeschaltet. Somit hat die Verbrennung in Kohlekraftwerken auch keine Perspektive. Vorstellbar, dass Polen deutlich länger Kohlekraftwerke betreibt und man dorthin liefern kann. Wirtschaftlicher für ein neues Werk wäre die Verbrennung vor Ort und die Nutzung der entstehenden Energie für die eigene Anlage. Ohne Emissionen funktioniert das aber auch nicht.

Abschließend zum behandelten Abwasser. Wenn man einen positiven Aspekt erwähnen will, ist es die Tatsache, dass durch diese Einleitung der Pegelstand erhöht wird. Während noch im Jahr 2012 die Spreewiesen in unserer Gegend drohten, zu Sumpfwiesen und dadurch nicht mehr nutzbar zu werden, ist in den vergangenen Jahren der Pegelstand auf ein bedenklich geringes Maß gesunken. Auch die Fließgeschwindigkeit reduziert sich in diesem Zusammenhang. Ursache dafür ist neben dem Klimawandel hier vor allem die Stilllegung von Tagebauen in der Lausitz. Um Tagebaue trocken zu halten, muss ständig Wasser abgepumpt werden. Dieses wurde in die Spree geleitet. Mit jeder Stilllegung reduziert sich diese Menge merklich. Zurück zum Klärwerk Spremberg. Hier gibt es flussabwärts die Talsperre Spremberg. Dadurch entsteht die Möglichkeit der Regulierung des Pegelstands.

Laut Lagebericht Abwasserbeseitigung Brandenburg 2019 werden behandelte Abwässer in Höhe von 420.000 EW unmittelbar in die Spree eingeleitet (z.B. Cottbus, Beeskow, Fürstenwalde). Über Zuflüsse kommen weitere 300.000 EW (z.B. aus Münchehofe über Erpe) hinzu. Diese Zahlen unterstellen eine volle Auslastung der Anlagen. Das ist (noch) nicht der Fall. Hinzu kommen dafür noch Einleitungen im Bundesland Sachsen, wo sich der Quellbereich der Spree befindet. Bei Starkregenereignissen kommt es innerhalb Berlins zu unkontrollierten Zuflüssen, welche teilweise zu Fischsterben führen. Dieser Fluss muss schon genug ertragen und könnte gut auf die zusätzliche Belastung von 100.000 EW verzichten.

Wenn das Abwasser der ersten Ausbaustufe von Tesla nach Münchehofe geleitet werden soll und laut Planung der AG „Wasserperspektiven im östlichen Berliner Umland“ als Übergangslösung die Kläranlage Waßmannsdorf in Frage kommt, handelt es sich um vom Tesla-Gelände weit entfernte Orte. Unverständlich ist daher, warum die Standortsuche jetzt in unmittelbarer Nähe betrieben wird. Der Standort sollte schon im Gebiet des WSE und in Nähe eines Fließgewässers liegen.

Hier unsere Petition gegen ein Klärwerk in der südlichen Ortslage Freienbrinks

Basierend auf diesen Erkenntnissen hat Heiko Baschin (IG Vorstand) einen neuen Vorschlag entwickelt. Warum muss das behandelte Abwasser überhaupt abfließen, wenn Tesla doch Unmengen an Wasser verbraucht? Für den Betrieb der Anlagen wird kein Trinkwasser benötigt. Das Abwasser wird nach der Behandlung wieder an Tesla zurückgeführt und dort mit Trinkwasser ergänzt. So wird der Trinkwasserbedarf deutlich reduziert und gleichzeitig werden umliegende Gewässer von der Belastung mit Abwasser geschützt.

Beitrag von Heiko Baschin

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