(Stand Januar 2026)
Im 2. Teil werden die Verbindungen zu verschiedenen Zielorten untersucht. Abschließend geht es um Alternativen zum dürftigen Angebot der aktuell gültigen Fahrpläne.
Die folgenden Darstellungen beziehen sich auf mögliche Verbindungen zwischen Montag und Freitag. An Wochenenden und Feiertagen ist das Angebot reduziert. (siehe Teil 1)
Freienbrink – Berlin
Um 17:04 Uhr fährt ein Bus der Linie 426 in Freienbrink Nord Richtung Erkner ab. Dieser kommt um 17:11 Uhr in Fangschleuse am Bahnhof an, wo es um 17:20 Uhr mit dem RE 1 in Richtung Berlin weitergeht. In nur 38 Minuten kommt man von Freienbrink bis zum Ostkreuz. Das wird man mit dem Auto zu dieser Uhrzeit nicht schaffen und dann hätte man noch das Problem mit der Parkplatzsuche. Leider ist dies die einzig funktionierende Verbindung. Die meisten Busse der Linie 426 fahren zur Minute 30 in Freienbrink Nord ab und erreichen Bahnhof Fangschleuse zur Minute 37. Bis der RE Richtung Berlin kommt, vergehen dann 43 Minuten. Da bleibt nur die Option, weiter bis zur Endhaltestelle in Erkner zu fahren. In Erkner ist die Friedrichstraße weiterhin wegen Bauarbeiten gesperrt. Dadurch müssen die Busse über die Umleitungsstrecke fahren und können im Stau aufgehalten werden. Auch ohne Stau hat man keinen Anschluss an den RE 1 nach Berlin. Die Busse kommen zur Minute 54 an und der RE fährt dann erst zur Minute 28 ab. Da bleibt zur Weiterfahrt nach Berlin nur die S-Bahn. Dadurch summiert sich die Fahrzeit von Freienbrink nach Ostkreuz auf 63 Minuten statt der 38 Minuten, die es sein könnten.
Nicht nur die Bauarbeiten in Erkner sind ein Risikofaktor für die Pünktlichkeit der Busse der Linie 426. Der Start der Linie ist in Spreenhagen. Da Spreenhagen kein Busdepot hat, starten diese Busse als Linie 436 in Fürstenwalde und fahren über Braunsdorf nach Spreenhagen. Diese Tour mit 25 Haltestellen führt quer durch Fürstenwalde und anschließend sind nur drei Minuten Pause, bis es als Linie 426 weitergeht.
Mit der Linie 419 geht es zur Minute 03 mehrmals täglich in Freienbrink Nord in Richtung Erkner los. Diese Busse fahren allerdings im GVZ die Haltestelle bei Edeka (B4) und den Halt Tesla Süd an, bevor sie Richtung Fangschleuse weiterfahren. Dort kommen sie zur Minute 20 an, wo zeitgleich der RE 1 nach Berlin abfährt! Sollte der RE mal Verspätung haben, kann man spontan in Fangschleuse umsteigen. Nützlich ist die Linie 419 am späten Abend. Während die Linie 426 um 17:30 Uhr letztmalig Richtung Erkner abfährt, verkehrt die Linie 419 noch um 22:03 Uhr und 22:33 Uhr in Richtung Erkner. Da bei Tesla um 22:00 Uhr Schichtwechsel ist, werden an der Haltestelle Tesla Süd Beschäftigte von Tesla zusteigen.
Eine theoretische Möglichkeit besteht darin, beim Halt Tesla Süd vom Bus 419 in den Tesla-Shuttle umzusteigen und weiter Richtung Erkner oder gar Berlin Ostbahnhof zu fahren. Aber auch hier passen die Abfahrzeiten schlecht zueinander. Hinzu kommt ein Fußweg von mehr als 400 Metern zwischen dem Bahnsteig und der Bushaltestelle. Eine Ausnahme bildet der Bus um 8:01 Uhr ab Freienbrink Nord. Er ist um 08:08 Uhr am Halt Tesla Süd, wo der Zug um 08:11 Uhr abfährt. Um 08:23 Uhr ist er in Erkner und fünf Minuten später fährt von dort der RE 1 Richtung Berlin. So käme man in 41 Minuten von Freienbrink zum Ostkreuz. Allerdings funktioniert diese Verbindung nur, wenn es nicht die geringste Verspätung gibt. Um 06:33 Uhr gibt es diese Verbindung mit 13 bzw. 23 Minuten zum Umsteigen. Dann kommt man auf 69 Minuten Fahrzeit. Aktuell liefern die Apps der BVG den Hinweis, dass der Tesla-Shuttle ausschließlich von Tesla-Mitarbeitern genutzt werden darf. Das steht im Widerspruch zu den Medienberichten über dieses Angebot.
Berlin – Freienbrink
Hier gibt es am Bahnhof Fangschleuse mehrfach die Konstellation, dass der RE 1 zur Minute 37 ankommt und der Bus 426 zwei Minuten früher zur Minute 35 abfahren soll. Ein wenig Verspätung wegen der Baustelle in der Friedrichstraße in Erkner und eine geschlossene Schranke könnten doch für einen Anschluss sorgen. Oft genug hat allerdings der RE 1 wegen der Bauarbeiten bei Köpenick Verspätung und der Bus ist schon weg, wenn der Zug in Fangschleuse ankommt. Der nächste Bus kommt bestenfalls in einer Stunde.
Dreimal täglich kommt man relativ schnell von Berlin nach Freienbrink, weil der Bus 426 über die Autobahn fährt und nur 15 Minuten vom ZOB Erkner bis Freienbrink Nord unterwegs ist. Sogar ein RE kommt passend dazu in Erkner an. Die Fahrt startet zur Minute 53 (08:53 / 10:53 / 12:53) in Ostkreuz. In Erkner bleiben fünf Minuten zum Umstieg. Hat der RE etwas Verspätung, müsste man zwei Stunden auf den nächsten Bus warten.
Freienbrink – Grünheide – Freienbrink
Wenn das Ziel Grünheide ist, kann man aus Freienbrink kommend fast alle Busse Richtung Erkner nutzen. Mit der Linie 426 dauert die Fahrt etwa 15 Minuten, mit der Linie 419 sind es etwa 25 Minuten wegen der zusätzlichen Halte im GVZ und bei Tesla. Bei der Rückfahrt fahren nur die Busse der Linie 419 über Grünheide nach Freienbrink. Die Busse der Linie 426 fahren teilweise direkt über die Autobahn oder nehmen den Weg durch Fangschleuse. Hier besteht die Möglichkeit, mit der Linie 429 die Haltestelle Autobahn bzw. Eichbrand anzufahren und dort umzusteigen.
Freienbrink – Hangelsberg – Freienbrink
Eine direkte Verbindung wird nicht angeboten. Umsteigepunkt ist am Bahnhof Fangschleuse. Entweder geht es von dort mit dem stündlich haltenden RE 1 weiter oder mit der Buslinie 427. Es gibt wenige Verbindungen mit etwa 20 Minuten Fahrzeit. Meistens dauert die Fahrt zwischen 30 und 45 Minuten. Bei der Rückfahrt kann es am Nachmittag richtig schnell gehen. Um 16:15 / 17:15 / 18:15 fährt der RE 1 in Hangelsberg ab und ist 5 Minuten später in Fangschleuse. Dort fährt laut Fahrplan kurze Zeit später der Bus 426 Richtung Freienbrink ab. Umsteigezeit sind drei Minuten und man muss auf die andere Seite der Gleise (bei geschlossener Schranke über die Fußgängerbrücke). Wenn die sportliche Herausforderung gemeistert wird, benötigt man zwischen Hangelsberg und Freienbrink Nord nur 15 Minuten. Um 14:15 verbleiben für den Umstieg in Fangschleuse 9 Minuten, was deutlich komfortabler ist (Fahrzeit 21 Minuten). Die meisten Verbindungen benötigen, wie bei der Gegenrichtung, zwischen 30 und 45 Minuten.
Freienbrink – Fürstenwalde – Freienbrink
Die komplette Strecke mit dem Bus 426 zu fahren, dauert 55 Minuten. Schneller geht es auch hier mit Umstieg in den RE 1 in Fangschleuse. Die Anschlüsse passen hin und wieder gut. Die Gesamtfahrzeit liegt dann bei reichlich 30 Minuten, meistens sind es über 40 Minuten. Einige Verbindungen laufen über einen Umstieg in Erkner. Bei der Rückfahrt dauert die direkte Busfahrt 60 Minuten. Wenn bis Fangschleuse der RE 1 genutzt wird, sind es 40 bis 45 Minuten. Die im vorigen Absatz geschilderten kurzen Umsteigezeiten am Nachmittag in Fangschleuse ermöglichen theoretisch eine Fahrzeit von 21 Minuten.
Weitere Ortsteile
Nach Kagel oder Kienbaum bestehen Verbindungen mit Umstieg am Löcknitz-Campus (Grünheide Schule). Nach Kagel gelangt man so bei günstigem Anschluss in 45 Minuten, es kann aber auch 75 Minuten dauern. Nach Kienbaum muss man 75 Minuten oder mehr einplanen. Bei der Rückfahrt ergeben sich einige Verbindungen, wo man den RE 1 mit Halt in Hangelsberg nutzen kann. Dann ergibt sich ein zusätzlicher Umstieg in Fangschleuse Bahnhof auf den Bus 426. Diese Verbindung benötigt etwa 45 Minuten.
Um nach Mönchwinkel zu fahren, muss man in Spreeau auf die Linie 427 wechseln. Auch diese Verbindungen haben lange Umsteigezeiten und ergeben sich eher zufällig. Ein Konzept ist nicht erkennbar.
Die Alternativen:
Das es deutlich besser funktionieren kann, zeigt der Landkreis Oder-Spree in der Region Storkow – Scharmützelsee. Seit dem Jahr 2022 fahren dort Dalli-Rufbusse. Sie können per Telefon oder Internet gebucht werden. Etwa alle 200 Meter gibt es über die Ortschaften verteilt insgesamt 521 Haltepunkte. Das Projekt ist Bestandteil des ÖPNV und kann mit VBB-Tickets (inkl. Deutschlandticket) genutzt werden. Es ist ein Zuschlag von einem Euro tagsüber und drei Euro in den Nachtstunden zu zahlen. Angeboten werden die Fahrten von 6 bis 22 Uhr (Do – Sa bis 0:30 Uhr). Das Ganze ist eine Art Sammeltaxi. Durch den Anbieter werden optimierte Routen zusammengestellt, um die Fahrzeit für die Nutzerinnen und Nutzer nicht zu sehr anwachsen zu lassen. Zur Finanzierung tragen Zuschüsse aus dem Land Brandenburg und dem Landkreis Oder-Spree bei. Wegen der attraktiven Ticketpreise entsteht eine Finanzierungslücke, die nur von den Kommunen abgefangen werden kann. Im Bauausschuss der Gemeinde Grünheide bezifferte Tim Jurrmann (Mobilitätsbeauftragter LOS) die jährliche Summe für eine Ausdehnung des Angebots im Tesla-Umfeld (Grünheide / Spreenhagen) auf 1,44 Millionen Euro. Davon müsste etwa ein Viertel durch die beteiligten Kommunen finanziert werden.
Bis zum Sommer 2024 fuhr die Buslinie 419 passend zu den Anschlüssen des RE 1 in Fangschleuse über 40-mal täglich je Richtung. Dieses Angebot wurde überwiegend von Tesla finanziert. Nach diesem Schema können auch Gemeinden zusätzlich zum Angebot des Landkreises Busverbindungen bestellen. Die Mehrkosten müssen dann allerdings von der beantragenden Gemeinde bezahlt werden.
Wenn weder der Landkreis noch die Gemeinde zur Verbesserung des vorhandenen Angebots bereit sind, besteht die Möglichkeit zur Eigeninitiative. Der Oberbegriff lautet Bürgerbus. Die praktische Umsetzung erfolgt durch einen Verein, welcher nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gestaltet und eingetragen wird. In der Satzung kann als Zweck „Förderung der Mobilität im ländlichen Raum“ definiert werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ein bereits aktiver Verein sein Angebot erweitert. Das könnte ein Sportverein sein, der bereits ein geeignetes Fahrzeug besitzt. Ausführliche Informationen vermittelt die Seite: https://www.mobilikon.de/instrument/buergerbusverein
Ein anderer Ansatz sind Mitfahrerbänke. Das sind im öffentlichen Raum aufgestellte Sitzbänke, auf der Menschen Platz nehmen können und damit signalisieren, dass sie auf eine spontane, kostenlose Mitfahrgelegenheit zu einem bestimmten Ziel warten. So lassen sich in Gegenden oder Zeiträumen mit längeren Taktzeiten im ÖPNV die Mobilität von Menschen ohne eigenes Auto verbessern, gleichzeitig die Pkw-Auslastung erhöhen und die Erreichbarkeit und Vernetzung von Ortschaften optimieren. (Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/fahrzeug-teilen-mitfahren-foerdern-mitfahrbank) Eventuelle Schadensersatzforderungen der Mitfahrer*innen sind automatisch über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Pkw abgedeckt, falls es zu einem Zwischenfall kommen sollte. Das gilt genauso für selbstverschuldete Unfälle und betrifft neben Personenschäden auch Sach- oder Folgeschäden. Berechtigte Bedenken bleiben bei der Nutzung durch Minderjährige, denen man ansonsten untersagt, bei Fremden mit ins Auto zu steigen. Allgemein bleibt das Risiko, dass niemand anhält oder das es zu langen Wartezeiten kommt.
Eine Mitfahrzentrale sorgt für mehr Planungssicherheit. Hier entstehen allerdings Kosten. Auf unsere Region zugeschnitten ist das Portal Mitfahrzentrale Oder-Spree. Die Nutzung wurde vom Verfasser nicht getestet. Über Erfahrungen kann nicht berichtet werden.
Es kann nicht flächendeckend Haltepunkte des ÖPNV mit kurzer Entfernung zu jedem Wohnort geben. An Bahnhöfen sind Fahrradabstellplätze eine Selbstverständlichkeit. An Bushaltestellen befinden sich diese Möglichkeiten nicht. Wenn der Fußweg zur nächstgelegenen Haltestelle zu weit ist, wäre das Fahrrad die beste Alternative. Dafür müsste es dort Abstellmöglichkeiten geben, wo man das Fahrrad anschließen kann. Das Fahrrad sollte noch dort stehen, wenn der Rückweg ansteht.
Ausblick
Perspektivisch sollten Linienbusse die Hauptstrecken bedienen und zu den Haltepunkten gäbe es Zubringer als autonome Kleinbusse. Diese sind vorab buchbar und alles ist in einem übersichtlichen und bezahlbaren Tarifsystem integriert, damit sich alle Menschen die Fahrten leisten können. Subventionen sind eine Grundvoraussetzung für die Machbarkeit. Technisch wird es möglich sein. Damit es funktioniert müssen auch Gesellschaft und politische Entscheidungsträger dazu bereit sein.

