(Stand Januar 2026)

Als im Dezember 2022 für den RE 1 ein 20-Minuten-Takt eingeführt wurde, schwärmte der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke, dass bei so einer Taktung niemand mehr einen Fahrplan braucht. Man gehe einfach zum Bahnhof und nach wenigen Minuten kommt der nächste Zug.

Grünheides Bürgermeister betonte immer wieder, dass wegen der Teslaansiedlung jetzt der RE 1 zweimal je Stunde in Fangschleuse hält und dass es nach Fertigstellung des neuen Bahnhofs sogar einen 20-Minuten Takt geben wird.

Der Geschäftsführer vom Busverkehr Oder-Spree Holger Winter erklärte im Herbst 2025, dass es mit den Änderungen zum Jahresende keine neuen Linien und auch keine Mehrleistungen geben werde. Es gehe ausschließlich um die Anpassung an den RE1-Fahrplan und das mit klarer Priorität auf die Sicherstellung der Schülerbeförderung. Im morgendlichen Schülerverkehr Richtung Erkner fährt die Linie 426 künftig 10 Minuten früher um 7:10 Uhr ab Freienbrink Nord, um den anhaltenden Verspätungen aufgrund der Baustellensituation in Erkner entgegenzuwirken.

Bei den restlichen Ankündigungen sieht die Realität anders aus. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 hält der RE 1 nur noch einmal pro Stunde in Fangschleuse. In Erkner bleibt es bei zwei Halten in der Stunde. Der zweite Zug ist mit acht Waggons unterwegs und für die Bahnsteige in Fangschleuse zu lang. Von Montag bis Freitag fahren in der Hauptverkehrszeit Verstärkerzüge mit den Halten in Frankfurt/Oder – Fürstenwalde/Spree – Fangschleuse – Erkner und wieder zurück. In Richtung Berlin dürfen diese Züge nicht weiterfahren, weil ein längerer Abschnitt wegen der Bauarbeiten für den Regionalbahnhof Köpenick nur eingleisig befahren werden kann. Diese Verstärkerzüge hatten ursprünglich acht Waggons. Da diese wenig attraktive Verbindung nur von wenigen Fahrgästen genutzt wird, fährt man jetzt mit vier Waggons und kann deshalb in Fangschleuse halten. Für Fahrten in Richtung Osten ergibt sich dadurch ein attraktives Angebot mit der Einschränkung, dass diese Züge nicht in Hangelsberg halten. Näheres dazu folgt in Teil 2.

Wenn nur wenige Züge in Fangschleuse halten, sollte es dazu passende Busverbindungen geben. Entgegen der Ankündigung des Busverkehres Oder-Spree gab es hier nur Anpassungen für die Busse Richtung Kagel. Von der Haltestelle Freienbrink Nord fahren zwischen Montag und Freitag täglich 20 Busse der Linien 419 und 426 Richtung Erkner. Am Bahnhof Fangschleuse hat man praktisch keinen Anschluss. Manche Busse kommen zu der Zeit an, wo gerade der RE1 abfährt, andere halten dort etwa eine dreiviertel Stunde vor Abfahrt vom RE 1. Fährt man mit dem Bus bis zur Endhaltestelle in Erkner, passen dort die Anschlüsse ebenfalls nicht an den RE 1. Wartezeiten zwischen 26 und 43 Minuten sind so lang, dass man mit der S-Bahn schneller in der Stadt ist. Die andauernden Bauarbeiten in Erkner sorgen für Unsicherheit, ob die Busse den Fahrplan einhalten können.

In der Gegenrichtung ein ähnliches Bild. In Fangschleuse fahren Busse zwei Minuten früher ab, als der RE 1 dort ankommt. Bei anderen muss man etwa eine halbe Stunde auf den Bus warten. Bei einem Umstieg in Erkner verbleiben in einigen Fällen nur vier Minuten für den Umstieg von RE 1 in den Bus. Da der RE 1 wegen der Baustelle in Köpenick öfter verspätet ist, wird man den Bus nicht schaffen. In anderen Fällen ist die Wartezeit über 30 Minuten.

Zusammenfassend bleibt nur eine individuelle An- und Abreise nach Erkner (Auto, Fahrrad). Von dort hat man die S-Bahn als Alternative. Während der Vollsperrung der Fernbahngleise im Bereich Köpenick steht nur die S-Bahn zur Verfügung. Diese Situation gibt es für drei Wochen im Februar und für sechs Wochen während der Sommerferien.

An Wochenenden fährt ausschließlich die Linie 426 und das dreimal je Richtung im Abstand von vier Stunden. Hier besteht immerhin die Möglichkeit des Umstiegs zum RE 1 in Fangschleuse bei einer Wartezeit von ca. 15 Minuten.

Wer regelmäßig in Berlin unterwegs ist, hat garantiert schon Erfahrungen mit plötzlichen Ausfällen oder sogar stundenlangen Streckensperrungen gemacht. Für diesen Fall gibt es inzwischen eine zusätzliche Option. Der Mietwagenanbieter „Miles“ hat am Bahnhof Fangschleuse und auf dem Parkplatz vor Tesla Abstellflächen. Das bedeutet, es kann innerhalb von Berlin ein Fahrzeug übernommen werden und nach der Nutzung auf diesen Flächen (genaue Angaben in der App des Unternehmens) abgestellt werden. Mit etwas Glück kommt dann sogar ein Bus vorbei.

Das wir durch Tesla einen verbesserten ÖPNV haben, lässt sich anhand der aktuellen Fahrpläne nicht erkennen. Im August 2026 soll der neue Bahnhof Fangschleuse in Betrieb genommen werden. Einen 20-Minuten-Takt Richtung Berlin wird es weiterhin nicht geben, weil die Bauarbeiten in Köpenick bis mindestens Ende 2027 weitergehen. So lange bleibt es beim einspurigen Betrieb in diesem Bereich und es wird weitere Vollsperrungen geben, wo ab Erkner nur die S-Bahn genutzt werden kann. Einzige Verbesserung wird sein, dass wieder zwei Züge pro Stunde in Fangschleuse halten, weil am neuen Bahnhof die Bahnsteige länger sind.

Allerdings wird rund um den Bahnhof weiter gebaut. Die derzeitige Baustraße wird dann für den öffentlichen Verkehr freigegeben und ist die einzige Anbindung des Bahnhofs. Der Bau der neuen Landesstraße L386, die eine Verbindung zwischen A10 und L23 am derzeitigen Bahnhof Fangschleuse schafft, beginnt frühestens im Herbst 2026 und wird sich wahrscheinlich bis ins Jahr 2028 hinziehen. Für die Busse verlängert sich die Fahrzeit, wenn sie die Strecke zwischen L23 und verlegtem Bahnhof hin- und zurückfahren müssen.

Es gibt ein noch größeres Problem. Ende Juli oder Anfang August wird der jetzige beschrankte Bahnübergang in Fangschleuse voll gesperrt und dort werden zwei zusätzliche Gleise als Überholgleise für Güterzüge gebaut. Auch die temporäre Fußgängerbrücke muss für die Gleise weichen und wird demontiert. Dies bedeutet, dass auch Fußgänger und Radfahrer dort nicht mehr über die Gleise kommen. Das geht dann nur über die Unterführung am neuen Bahnhof und in Klein Wall. Auch für Busse ist es nicht möglich, vom neuen Bahnhof über die L23 nach Grünheide zu fahren. Nur eine Weiterfahrt über die A10 wäre möglich. Das funktioniert nur in eine Richtung, weil es an der temporären Anschlussstelle keine Brücke über die Autobahn gibt. Wie dann die Busse zum Löcknitz-Campus kommen, ist bisher nicht bekannt. Anfangs sollte die Sperrung nur drei Wochen während der Sommerferien dauern. Das hat sich als technisch nicht umsetzbar herausgestellt. Ein Überqueren der Gleise ist erst wieder möglich, wenn die neue Überführung der L23 für den Verkehr freigegeben wird. Das ist für Dezember 2026 geplant. Die Vollsperrung wird demnach vier bis fünf Monate andauern.

Während dieser Zeit erscheint es dann sinnvoller, direkt zum Bahnhof Erkner zu fahren. Durch die andauernde Sperrung von Flakenfließbrücke und Teilen der Friedrichstraße besteht dabei weiterhin ein Staurisiko. Welche Busverbindungen in dieser Zeit angeboten werden, ist heute noch nicht bekannt.

Der neue Bahnhof Fangschleuse soll laut Aussagen der Planer und Entscheider in den politischen Gremien so attraktiv sein, dass weniger Menschen nach Erkner zum Bahnhof fahren und lieber in Fangschleuse in den Zug wechseln. Es werden 500 PKW-Stellplätze und fast 200 Fahrradstellplätze errichtet. Wann und ob diese Vision Realität wird, ist derzeit nicht absehbar.


Hinterlasse einen Kommentar